Ein Haus zu bauen – ob es sich um einen eigenen Bau oder ein Fertighaus handelt – kann ein aufregendes Unterfangen sein. Doch wรคhrend die meisten Menschen die Hauptkosten wie Material und Arbeit berรผcksichtigen, gibt es andere Ausgaben, die oft รผbersehen werden. Die Rede ist von den Baunebenkosten.
Aber was genau sind Baunebenkosten und was zรคhlt dazu? Dieser Beitrag bietet dir einen umfassenden Einblick.
Was sind Baunebenkosten?
Baunebenkosten sind laut Definition zusรคtzliche Ausgaben, die beim Hausbau entstehen. Sie haben jedoch nicht direkt etwas mit dem Bau des Hauses zu tun.
Beispiele fรผr Baunebenkosten sind Bauversicherungen, Anschlusskosten fรผr Strom, Wasser und Abwasser oder die Grunderwerbssteuer.
Was zรคhlt zu den Baunebenkosten? Liste zur รbersicht
Nachfolgend findest du eine Baunebenkosten Liste:
- Grunderwerbssteuer
- Notarkosten
- Gebรผhren fรผr den Grundbucheintrag
- Maklergebรผhren
- Vermessungskosten
- Kosten fรผr den Architekten oder Bauingenieur
- Erschlieรungskosten
- Versicherungskosten (Bauherrenhaftpflicht, Bauleistungsversicherung, Feuerrohbauversicherung)
- Kosten fรผr den Bauantrag und Genehmigungen
- Hausanschlusskosten (Strom, Wasser, Abwasser, Telekommunikation)
- Auรenanlagen wie Garten, Terrasse, Einfahrt
Welche Baunebenkosten fallen immer an?
Bei jedem Bauvorhaben, ob es sich um einen Neubau, ein Fertighaus oder ein schlรผsselfertiges Haus handelt, fallen bestimmte Baunebenkosten an, die nicht umgangen werden kรถnnen. Diese sind:
- Grunderwerbssteuer, je nach Bundesland zwischen 3,5 % und 6,5 % vom Kaufpreis.
- Notarkosten, in der Regel 1,5 % bis 2 % vom Kaufpreis.
- Der Grundbucheintrag
- Kosten fรผr die Grundstรผcksvermessung (Vermessungskosten). Diese Kosten kรถnnen je nach Grรถรe und Lage des Grundstรผcks variieren.
- Fรผr den Bau eines Hauses ist in der Regel eine Baugenehmigung erforderlich, die ebenfalls mit Kosten verbunden ist. Zusรคtzlich kรถnnen, je nach Projekt, weitere Genehmigungen oder Gebรผhren anfallen.
- Architekten- und Ingenieurskosten
- Wรคhrend des Baus sollten verschiedene Versicherungen geschlossen werden, um sich gegen mรถgliche Risiken abzusichern. Dazu gehรถren in der Regel eine Bauherrenhaftpflicht-, eine Bauleistungs- und eine Feuerrohbauversicherung.
- Die Kosten fรผr den Hausanschluss an Strom, Wasser, Gas, Telekommunikation.
Oftmals sind bei einem Fertighaus die Planungskosten bereits im Kaufpreis enthalten. Dennoch fallen Notarkosten oder die Gebรผhren fรผr die Baugenehmigung immer als Baunebenkosten auch bei einem schlรผsselfertigen Haus an. Auch nicht immer Teil der Baunebenkosten sind die Maklergebรผhren.
Gleiches gilt fรผr die Erschlieรungskosten bei vollerschlossenen Grundstรผcken. Und wenn ein altes Bestandsgebรคude auf dem Grundstรผck kernsaniert wird, dann entfรคllt auch der Bodenaushub. Daher sind diese Positionen nicht in der รbersicht der dauerhaften Kosten, wohl aber in den folgenden Aufstellungen enthalten.
Die Grunderwerbssteuer der Bundeslรคnder
Die Hรถhe der Grunderwerbsteuer (Stand 2023) betrรคgt in den einzelnen Bundeslรคndern:
- Baden-Wรผrttemberg: 5,0 Prozent
- Bayern: 3,5 Prozent
- Berlin: 6,0 Prozent
- Brandenburg: 6,5 Prozent
- Bremen: 5,0 Prozent
- Hamburg: 5,5 Prozent (bis 31.12.2022; 4,5 Prozent)
- Hessen: 6,0 Prozent
- Mecklenburg-Vorpommern: 6,0 Prozent
- Niedersachsen: 5,0 Prozent
- Nordrhein-Westfalen: 6,5 Prozent
- Rheinland-Pfalz: 5,0 Prozent
- Saarland: 6,5 Prozent
- Sachsen: 5,5 Prozent (bis 31.12.2022: 3,5 Prozent)
- Sachsen-Anhalt: 5,0 Prozent
- Schleswig-Holstein: 6,5 Prozent
- Thรผringen: 6,5 Prozent
Wie hoch sind die Baunebenkosten beim Hausbau?
Die Baunebenkosten fรผr ein Haus kรถnnen sehr hoch sein. In der Regel machen sie zwischen 10 % und 20 % der gesamten Baukosten aus. Daher sollten sie beim Budgetplan auch nicht vernachlรคssigt werden, um spรคter bรถse รberraschungen zu vermeiden.
Welche Baunebenkosten fallen vor dem Neubau an?
| Position | Hรถhe der Baunebenkosten |
|---|---|
| Maklerprovision | 2,5 bis 7 % |
| Grundbucheintrag und Notar | 1,5 bis 3,5 % |
| Grunderwerbsteuer | 3,5 bis 6,5 % |
| Einholen der Baugenehmigung | 800 bis 1.500 โฌ |
| Statiker | 1.500 bis 2.500 โฌ |
| Bodengutachten | 400 bis 1.000 โฌ |
| Baumfรคllarbeiten und Rodung | 300 bis 2.000 โฌ |
| Anlegen einer Baustraรe | 200 bis 400 โฌ |
| Abrissarbeiten | 500 bis 3.000 โฌ |
| Aushub fรผr Bodenplatte | 1.500 bis 2.000 โฌ |
| Entsorgung des Bodenaushubs | 5 bis 15 โฌ je mยณ |
| Erschlieรungskosten | 5.000 bis 20.000 โฌ |
| Baustrom und -wasser | 400 bis 1.000 โฌ |
| Vermessungskosten | 1.500 bis 2.500 โฌ |
Baunebenkosten berechnen fรผr den eigentlichen Hausbau
Damit aber noch nicht genug. Auch wรคhrend der Bauphase fallen weitere Kosten an. Diese Baunebenkosten sind beim Fertighaus und Neubau meist identisch.
| Position | Hรถhe der Baunebenkosten |
|---|---|
| Versicherungen | 300 bis 1.500 โฌ |
| Bauzeitzinsen | Monatlich 0,25 % der Kreditsumme, beginnend mit der ersten Auszahlung |
| Baubegleitung (Architekt, Projektleiter) | 10 bis 15 % |
| Bauleistungsversicherung | 0,1 % bis 0,4 % der Baukosten |
รbrigens: Die Baunebenkosten fรผr ein Fertighaus sind meist etwas niedriger als bei einem Neubau, da einige Posten wie die Planungskosten oft schon im Preis des Fertighauses enthalten sind.
Baunebenkosten berechnen: ein Beispiel
Es wird ein Haus gebaut, mit Baupreis 400.000 Euro. Folgende Baunebenkosten sind mรถglich:
| Posten | Preis |
|---|---|
| 3,75 Prozent Maklergebรผhren | 15.000 Euro |
| 1,5 Prozent Notarkosten | 6.000 Euro |
| Eintrag der Grundschuld ca. 0,5 Prozent der Darlehenshรถhe | 2.000 Euro |
| Eintrag im Grundbuch | 500 Euro |
| 5 Prozent Grunderwerbsteuer | 20.000 Euro |
| Vermessungsarbeiten | 2.000 Euro |
| Gutachten fรผr Baugrund | 500 Euro |
| Baumfรคllungen | 1.500 Euro |
| Baugenehmigung einholen | 500 Euro |
| Gebรผhren fรผr Prรผfstatiker | 1.000 Euro |
| Anschluss von Bauwasser und Baustrom | 500 Euro |
| Erschlieรungskosten (Gas, Strom, Frischwasser und Telefon) | 3.000 Euro |
| Versicherungen | 250 Euro |
| Gesamt | 52.750 Euro |
Baunebenkosten bei der Finanzierung
Richtig gelesen, auch die Kosten im Rahmen einer Baufinanzierung gehรถren streng genommen zu den Baunebenkosten. Denn hierbei kรถnnen weitere Kosten entstehen.
- Manche Banken erheben eine Gebรผhr fรผr die Vermittlung und Zusammenstellung des Finanzierungsangebots.
- Fรผr nicht abgerufene Baukredite werden Bereitstellungszinsen erhoben. Meist gibt es aber eine zinsfreie Zeit, je nach Kreditinstitut liegt diese zwischen 6 bis 12 Monaten. Die anschlieรenden Bereitstellungszinsen belaufen sich auf rund 3 % pro Jahr.
- Fรผr die Bestellung der Grundschuld muss ebenfalls eine Gebรผhr bezahlt werden.
- Und wer sein Darlehen vorzeitig beendet, kommt teilweise in den unfreiwilligen โGenussโ der Vorfรคlligkeitsentschรคdigung. Die Hรถhe kann die Bank selbst bestimmen.
Baunebenkosten mitfinanzieren
Da die Baunebenkosten einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen, ist es nicht ungewรถhnlich, dass viele diese Kosten mitfinanzieren mรผssen. Eine gรคngige Methode ist die Erhรถhung des Darlehensbetrags. Banken sind in der Regel offen dafรผr, einen gewissen Anteil der Baunebenkosten รผber das Darlehen mitzufinanzieren. Allerdings erhรถht dies die monatlichen Raten und die Gesamtzinslast.
Ist hingegen ausreichend Eigenkapital vorhanden, bietet es sich an, dies zur Deckung der Baunebenkosten einzusetzen. Diese Methode ist oft die kostengรผnstigste, da hierfรผr keine zusรคtzlichen Zinsen anfallen.
Alternativ kรถnnen Bausparvertrรคge oder KfW-Darlehen genutzt werden, um die Baunebenkosten zu finanzieren. Die hierbei anfallenden Zinsen sind manchmal sogar gรผnstiger als bei normalen Baukrediten. Und selbst Banken haben spezielle Kredite fรผr die Baunebenkosten in ihrem Portfolio. Diese werden in der Regel immer dann angeboten, wenn der maximal mรถgliche Betrag fรผr das Baudarlehen bereits ausgeschรถpft ist.
Unabhรคngig von der gewรคhlten Methode sollte man sich vor der Entscheidung fรผr eine Finanzierungsart ausfรผhrlich beraten lassen und verschiedene Optionen abwรคgen. Zudem sollten die zusรคtzlichen Kosten der Finanzierung in die langfristige Finanzplanung einbezogen werden. Zudem ist es sinnvoll vor der รberfinanzierung wegen der Baunebenkosten eine Checkliste รผber die tatsรคchlich anfallenden Nebenkosten zu erstellen. So wird verhindert, dass die monatlichen Raten tragbar bleiben und das persรถnliche Budget nicht รผberlastet wird.



